Schriftzug: LebensArt. Im wahren Land der 1.000 Berge

02. - 04.  September 2016 - Bödefeld Delikat

Herzlich Willkommen im Naturdorf Bödefeld

Pension Haus Brüggemann - Bödefeld

Pension Haus Brüggemann

Doppelzimmer (p.P.) ab € 26,00
Ferienwohnungen E. Wüllner - Bödefeld

Ferienwohnungen E. Wüllner

2 Personen/Tag ab € 30,00
Ferienwohnung Kotthoff - Bödefeld

Ferienwohnung Kotthoff

2 Personen/Tag ab € 35,00

Unser Dorf „Freiheit Bödefeld“

Bödefeld um 1929
Bödefelder Wappen mit den beiden Pfarr- und Ortspatronen Cosmas und Damian

Das Dorf „Freiheit Bödefeld“ zählt zu Recht zu den ältesten Orten des Hochsauerlandes. Es dürfte über tausend Jahre alt sein. Über seine Entstehung gibt es jedoch keine Nachweise.

Woher der Name des Ortes kommt, erzählt uns eine Legende. Sie sagt, dass ein Mann namens Buddo von Soldaten des Sachsenherzogs Widukind als Pferdedieb beschuldigt wurde. Obwohl der Tat nicht überführt, brachten sie ihn grausam um. Das erfuhr Bischof Ludgerus, auf seinem Weg durch unser Land. Er kam herbei und erweckte den Mann wieder zum Leben. Aus Freude und Dankbarkeit errichtete man am Ort des Geschehens ein Kreuz und nannte die Siedlung fortan Buddovelden. Dies soll etwa um 800 gewesen sein.
 
Als Erzbischof Anno II. im Jahre 1072 in Grafschaft nahe Schmallenberg ein Benediktiner-Kloster gründete, stattete er es zum Unterhalt der Mönche mit „zwölf Kirchen und Orten“ aus. Darunter war auch das besagte „Buddofelden“.
 
Der Ort wird wohl nur aus mehreren Einzelhöfen bestanden haben und gehörte landespolitisch zur Grafschaft Arnsberg. Der letzte Arnsberger Graf Gottfried IV. (1327 – 1371) erteilte dem Dorf Bödefeld im Jahre 1342 die Rechte einer „Freiheit“. So bezeichnete man Orte, die städtische Selbstverwaltung hatten, aber nicht befestigt waren. Die Bürger durften ihren Bürgermeister und die Mitglieder des Magistrats selbst wählen und diese verwalteten das Gemeinwesen selbständig und eigenverantwortlich. 
 
Die Erhebung zur „Freiheit“ brachte dem Dorf Bödefeld persönliche und wirtschaftliche Vorteile. Sehr viele Landbewohner unterlagen damals einer demütigenden Hörigkeit gegenüber den meist adeligen Grundherren. Die Bürger einer Freiheit hingegen genossen auch persönliche Freiheiten, die uns heute als selbstverständlich erscheinen. Sie waren frei in der Wahl des Ehegatten, der Berufsausbildung der Kinder, der Verfügung über ihr Eigentum u.a.m. Die Gewerbefreiheit förderte den Handel. Das führte letztlich dazu, dass Bödefeld später lange Zeit Mitglied der Hanse war und Eisen und Wollwaren auf fremden Märkten verkaufte. Auch die Rechtssprechung in Angelegenheiten des gewöhnlichen Lebens oblag der eigenen Gerichtsbarkeit. Besonders vorteilhaft war die Nutzung des gräflichen Grundbesitzes als „Freiheitsland“. Jedem Bürger wurde davon zugeteilt zur Vergrößerung der eigenen Ackerfläche. Auf gemeinsamen Weidegründen hatten sie Huderecht und konnten sich mit Brennholz aus dem Gemeinschaftswald versorgen. Der Ort war zwar nicht von Abgaben befreit. Die Einwohner mussten jährlich von jeder Hausstätte und von den Feldern den Zehnten an den Landesherrn entrichten. Zu den Freiheits-Abgaben traten später noch landesherrliche Steuern und Abgaben (Schatzungen), die doch sehr drückten und die Gemeindekasse stark belasteten.
 
Dieser Freiheitsstatus blieb auch erhalten, als der Arnsberger Graf Gottfried IV. seine Grafschaft im Jahre 1368 an das Erzbistum Köln verkaufte. Erst mit Übergang der Herrschaft 1803 an Hessen-Darmstadt endete die Selbstverwaltung. Nun wurden Schultheißen von der Regierung ernannt und verwalteten das Gemeinwesen. Aber Bödefeld ist noch heute stolz auf seine gehabte „Freiheit“.
 
Das Leben im Dorf war damals von Landwirtschaft  und Handwerk geprägt. Hauptsächlich betrieb man Ackerbau und Viehzucht und brauchte deshalb viel Weideland. Dadurch fehlten aber große Flächen für Brotgetreide. Auch die bewaldeten Berge dienten als Viehweide und nahmen dabei Schaden. So war der Ertrag an gutem Holz gering.
 
Was man zum Leben brauchte, zog man selber. Tischgeschirr wie Löffel und Schüsseln wurden aus Holz hergestellt. In Hütten schmolz man Roheisen und schmiedbares Eisen und stellte in Hammerwerken daraus Geräte wie Hacken, Schüppen, Äxte u.ä. her. Dieser Gewerbezweig hielt aber der sich anderswo entwickelnden Großindustrie nicht stand. Auch lieferte der für alles zuständige Dorfbach, später „Palme“ genannt nicht immer genügend Wasserkraft zum Antrieb der Maschinen.
 
Alte Hausnamen wie Wullenweber, Löffler, Schöttler, Schröder, Schmidt oder der Straßenname „auf der Hütte“ erinnern an diese Zeit.
 
Auch das als Getränk geschätzte Bier wurde nach festen Regeln gebraut. Dazu brauchte man einen Kessel. Wer keinen besaß, konnte sich im Rathaus den sogenannten „Freiheitskessel“ ausleihen. Das Bier musste mindestens zwei Wochen stehen bleiben, zumindest aber solange, bis der Vorgänger sein Bier aufgebraucht hatte. Dann musste man dem Magistrat eine Probe bringen, nach der dieser den Preis festsetzte. Für den Ausschank gab es ein vorgeschriebenes Maß, „das Freiheitsmaß“. Verstöße wurden vor Gericht geahndet, die „Brüchte“ (Strafgelder) flossen in die Magistratskasse. So streng waren hier die Bräuche.
 
Mitten im Dorf, wo sich jetzt der Dorfpark befindet, entstand im Jahre 1425 ein befestigtes, adeliges Haus, ein burgähnliches Gebäude. Ritter Hunold von Hanxlden hat es im Einvernehmen mit dem Kölner Erzbischof Dietrich auf dessen Grund erbaut und von ihm zum Lehen erhalten. Machtbefugnisse gingen aber davon nicht aus, denn Bödefeld besaß ja seine „Freiheitsrechte“ und hütete seine Selbstverwaltung. Um 1550 heiratete die Tochter Anna des letzten Ritters von Hanxleden den aus Hessen stammenden Ritter Rabe von Dersch und der Besitz ging damit auf diesen Schwiegersohn über. Da dieser sich aber zumeist in Hessen aufhielt und für die Erhaltung kein Geld übrig hatte, begann der Verfall der Gebäude.
 
Als 1664 der ledige Ritter Johann Christoph von Dersch seine beiden Kinder zu Erben des Gutes machen wollte, wurde er von seinem Halbbruder Franz Heinrich kurzerhand ermordet. Der Besitz fiel an seinen anderen Halbbruder Philip Casimir von Dersch. Es begann ein nicht enden wollender Rechtsstreit um die Erbberechtigung der beiden nicht ehelichen Nachkommen des Ermordeten. Die Gebäude verfielen immer mehr und um 1750 stand nur noch eine Ruine. Im Jahre 1754 errichtete der damalige Besitzer Christian Adam von Dersch ein neues festes Haus. Aber schon 1777 starb die Linie ohne männlichen Erben aus. Durch Heirat der Tochter Sophia kam das Anwesen in den Besitz ihres Gatten Wolfgang von Hausen aus Mainz. Die Familie von Hausen verkaufte schließlich 1801 an die Freiheit Bödefeld.
 
Schlimme Zeiten hatte Bödefeld im 17. Jahrhundert durchzustehen, besonders im Dreißigjährigen Krieg 1618 bis 1648. Zwar fanden hier keine erwähnenswerten Kämpfe statt, aber Truppendurchzüge und Zwangsablieferungen von Geld und Nahrungsmitteln verursachten Armut und Elend. Eingeschleppte Seuchen, wie etwa die Pest löschten ganze Familien aus. Viele Höfe waren zerstört und verlassen und Felder lagen brach. Die Gemeindekasse war leer. Die Freiheit Bödefeld musste Geld leihen, um eine fremde Kriegshorde davon abzuhalten, den Ort niederzubrennen. Ähnlich schlimme Verhältnisse bedrückten Bödefeld und seine Kirchdörfer im Siebenjährigen Krieg.
 
Kriege und dadurch bedingte Notzeiten hielten an. Es ist erstaunlich, dass es Bödefeld dennoch gelang, über Jahrhunderte zu bestehen. Von der Kurfürstlichen Regierung hatten solche Orte keinerlei Unterstützung zu erwarten. Deren Interesse beschränkte sich auf den Einzug der verlangten Abgaben. So hatten es Gemeinwesen wie Bödefeld schwer, alle öffentlichen Anforderungen zu erfüllen. Es bedurfte dazu tüchtiger Menschen mit Initiative und Tatkraft. So brachte das Jahr 1721 Bödefeld einen deutlichen Aufschwung, als Pfarrer Johann Heinrich Montanus die Pfarrei übernahm. Er trat ein schweres Amt an. Der Pfarrer einte seine Gemeinde. Er baute ihr schon 1723 eine neue Kirche und stärkte damit ihr Selbstbewusstsein. Später weihte er auf dem damals noch „Wahr“ (von Wache halten) genannten Berg über Bödefeld ein Kreuz ein, daher heißt der Berg seitdem „Kreuzberg“. Aber schon da, wurde der Wunsch nach einer Kapelle auf dem Berg wach. Viele Helfer schafften Steine hinauf für den Bau der noch heute dort befindlichen Wallfahrtskapelle. Größtes leistete Pfarrer Montanus in der seelsorgerischen und schulischen Betreuung der ihm anvertrauten Menschen und der sorgfältigen Erziehung der Kinder. Erst seit Pfarrer Montanus kann man von einer geregelten Schulerziehung in Bödefeld sprechen. Er starb 1743; seine Gebeine ruhen oben auf dem Kreuzberg bei seiner Kapelle.
 
Die Schulbildung der Kinder war ein arges Problem. Es fehlte außer an Geld auch an Raum und ausgebildeten Lehrkräften. Die Regierung kümmerte sich nicht darum. Sie überließ diese Aufgabe den Kirchen. Und so war meist der Küster nebenamtlich auch als Lehrer tätig, um den Kindern wenigstens das notwendigste Wissen zu vermitteln. Religionsunterricht erteilte der Pfarrer als „Christenlehre“. Aber man muss ehrlicherweise zugeben, dass auch die Eltern nicht dahinter standen. Solange sogar noch mancher Bürgermeister mit drei Kreuzen unterschrieb, sah man für Schulbildung keinen Anlass. Im Jahre 1808 konnten von 96 Taufpaten nur 50 ihren Namen schreiben, darunter nur zwei Frauen. Wichtiger war, dass die Kinder das Vieh hüteten oder bei der Feldarbeit halfen.  Auch lernten sie zu Hause Strick- und Näharbeiten und beteiligten sich so an der Herstellung von Artikeln für den Verkauf, um den Lebensunterhalt der Familie zu sichern. Selbst als später unter preußischer Herrschaft die allgemeine Schulpflicht eingeführt wurde, waren noch immer nicht alle Eltern bereit, ihre Kinder zur Schule gehen zu lassen. Erst als der damalige Pfarrer in seiner Eigenschaft als Schulaufsicht mehrere Klageverfahren vor Gericht gegen solche Eltern führte, gaben sie ihren Widerstand auf, aber nicht ohne den Pfarrer zuvor ihrerseits wegen Nötigung verklagt zu haben. Das alte Schulgebäude aus dem Jahre 1817 stand neben der Pfarrkirche und alte Bilder lassen die räumliche Enge ahnen. Erst 1926 wurde das jetzige Schulhaus bezogen.

Auch der Anschluss Bödefelds an die großen Verkehrswege vollzog sich zögerlich. Es waren nur ausgefahrene Wege vorhanden, die den Ort mit Meschede, mit Winterberg und mit Fredeburg verbanden. Man begnügte sich damit, allzu tiefe Löcher von Zeit zu Zeit aufzufüllen und beim Lastentransport mit Fuhrwerken Hand- und Spanndienste zu leisten. So gelangten auch die Erzeugnisse der Eisenhämmer während der Hansezeit recht umständlich und mühsam zum Handelsplatz Soest.
 
Dabei war die Verbindung mit der Außenwelt für den Hausierhandel sehr wichtig. Ein großer Teil der Bevölkerung lebte davon. Die Armut trieb dazu, Sensen und andere Eisenerzeugnisse, Wollsachen und Holzartikel etc. aus dem jetzigen Hochsauerland in die weite Welt zu tragen und dort zu verkaufen. Es war ein unsicheres  und gefahrvolles Gewerbe, und doch gelang es manchen, in der Fremde als erfolgreiche Kaufleute Fuß zu fassen. Etwa um 1880 ging der Hausierhandel stark zurück. Man fand Arbeitsplätze nahebei, etwa in den Ramsbecker Gruben.
 
Bödefeld hatte auch unter den beiden Weltkriegen verlustreich zu leiden. Viele Männer aus dem Kirchspiel sind im Ersten Weltkrieg gefallen oder vermisst. Aber ein noch schlimmeres Schicksal widerfuhr dem Ort im Zweiten Weltkrieg. Nachdem gegen Kriegsende durch Artilleriebeschuss schon viel Schaden angerichtet war, griff die amerikanische Luftwaffe am 7. April 1945 mit Bomben, Brandbomben und Bordwaffen Bödefeld solange an, bis es lichterloh in Flammen stand. Es gab viele Todesopfer und zahlreiche Verletzte unter den deutschen und amerikanischen Soldaten und unter der Zivilbevölkerung. Auch Schäden an Vieh- und Waldbestand waren beträchtlich. Doch Schaffenskraft und ungebrochener Lebenswille ließen Bödefeld schon bald neu aus den Trümmern erstehen.
 
Heute erfreut sich das Ortsbild wieder mit stattlichen schwarz-weißen Fachwerkhäusern. Balkeninschriften über den Toren, an den Fassaden und Hausschilder, erstellt vom Heimat -  und Förderverein, erzählen von ihren Erbauern. Die Schreckenszeit ist überwunden, die Erinnerung daran bei vielen schon verblasst.

Der Bach „Valme“ war einst die Grenze zwischen den Grafschaften Arnsberg und Waldeck. Der Name Lanfert für den nahe Bödefeld liegenden Weiler rührt wohl noch von seiner früheren Funktion als „Landwehr“ her. Weiter ostwärts liegt Altenfeld, ein um 1540 „auf altem Feld“ wiedererrichteter Ort.

Bödefeld 1885
Bödefeld 1887
Bödefelder Kirche um 1910
Alte Schule, später Kindergarten
Bödefeld mit der alten Schule um 1885
Volksschule 1939